der lockende ruf der Wildnis
SCHWEINFURT/HERGOLSHAUSEN - Mit zwanzig Jahren verbrachte Harald Kraus seinen ersten Fernurlaub in der Karibik. Doch von der Pauschalreise, mit Strandleben und geregelten Unternehmungen war der Hergolshäuser wenig angetan. Er wollte die Ferne hautnah erleben, ohne die vermeintlichen Annehmlichkeiten des Massentourismus.
Sein Wunschtraum war und ist es, die Natur pur zu erfahren, mit all den damit verbundenen Entbehrungen und Risiken. "Wer einmal in der Wüste im Zelt übernachtet hat, dabei die Widersprüche dieser Naturlandschaft erfahren hat, der kommt davon nicht mehr los." schwärmt der mittlerweile 32-jährige. Als erstes hat er eine Trekking-Tour durch die Serengeti in Tanzania organisiert. In den nächsten Jahren folgten zahlreiche Reisen in die verschiedensten Kontinente.
Besonders fasziniert ist Harald Kraus von Afrika: Tanzania, Kenia, Simbabwe, Namibia, Südafrika, Lybien und der Tschad waren schon Etappen seiner Fernreisen, von denen er eine bis zwei pro Jahr unternimmt.
Im Schnitt dauern die Trips vier Wochen, wobei sich Kraus zumeist mit drei Gleichgesinnten zusammenschließt: Bevorzugte Ziele sind Wüsten oder Gebirgsmassive, die per Jeep oder zu Fuß durchquert werden. In richtig lebensgefährliche Situationen sind die Fernreisenden dabei noch nicht gekommen. "Allerdings haben wir die Erfahrung gemacht, dass man auch in der Wüste ertrinken kann.
Im Tschad ging plötzlich ein Wolkenbruch nieder, der fast unser Camp weggeschwemmt hätte. Mit solchen Risiken muss man einfach leben. Auch besteht eine weitere Gefahr darin, dass bei Erkrankungen oder Unfällen eine medizinische Versorgung erst nach Tagen erfolgen kann." Insgesamt sollte man vor einer solchen Tour körperlich fit sein und Kraus hört auch stets mit dem Rauchen auf, "denn sonst wäre die Luft auf dem Kilimandscharo, den wir erfolgreich bestiegen haben, noch dünner gewesen."
Was bewegt Kraus, von Hergolshausen aus, in alle Teile der Welt aufzubrechen? "Sicherlich ist Reisen mein Hobby. Aber es ist auch mehr: diese Erfahrungen in und mit der Natur zu leben, kann man schwer beschreiben. Es sind die Widersprüche, die absolute Ruhe der Wüste oder die Hektik einer Großstadt. Es ist das Wissen, selbst für alles verantwortlich zu sein: für die richtige Routenwahl, für ausreichend Wasser zu sorgen, mit Gefahren fertig zu werden.
All das ist ein Gefühl, das man schlecht verbal wiedergeben kann." Für diesen besonderen Kick verzichtet der Weltenbummler auf viele materielle Sachen, die andere für unverzichtbar halten, wie auf den Bau eines Hauses oder ein schnittiges Auto. Jetzt ist noch die Zeit zum Reisen, meint der Junggeselle, der auch schon in den USA, Honkong, Thailand, Neuseeland oder Malaysia gewesen ist. Auf seiner Exkursion hat er stets den Fotoapparat dabei und mittlerweile eine stolze Sammlung von 15000 Dias erstellt.
Mit zwei Kumpels hat er sich zu der Gruppe PhoTon zusammengeschlossen und wird ab nächsten Jahr verstärkt Diavorträge halten. "Aber ich reise nicht, um Fotos zu machen, sondern um besondere Eindrücke zu sammeln. Die Dias sind dabei ein schönes Nebenprodukt, aber nicht das Ziel", versichert er. Nächstes Jahr sind Lybien und Nepal das Ziel.
Einer seiner Wunschträume ist es Afrika von Nord nach Süd zu durchqueren, von Schweinfurt nach Kapstadt zu fahren - irgendwann in den nächsten fünf Jahren, denn noch ist die Zeit zum Reisen. (ds)
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