Mit Bildern Geschichten erzählen
HERGOLSHAUSEN - Sie wohnen in einem kleinen Dorf, doch aufeinander aufmerksam wurden Harald Kraus und Andreas Pfeuffer erst, als man sich bei Diavorträgen immer wieder über den Weg lief und dabei eine gemeinsame Leidenschaft entdeckte: die Reise-Fotografie. Mit kritischem Blick auf Fotoqualität und Präsentation besuchten sie in der Folge unzählige Vorträge, bis schließlich fest stand: "Das können wir auch". Dias, die sie "nicht einfach im Schrank verschwinden lassen wollten", wie Pfeuffer die Motivation beschreibt, hatten beide bereits reichlich von ihren Reisen rund um den Globus. Dass deren Qualität hervorragend ist, stellten die beiden Hergolshäuser, die ihrem Hobby unter dem Gruppen-Logo "PhoTon" nachgehen, mittlerweile mehrfach unter Beweis. Nach Bildern von fernen Ländern aus dem Dia-Fundus der beiden, dem Vortrag "Irland, die grüne Insel", bei dem Irland-Fan Pfeuffer am Projektor stand, hatte vor kurzem mit "Sahara" der dritte Dia-Vortrag von PhoTon im Freizeitzentrum Waigolshausen Premiere.
Diesmal mit Fotos von Harald Kraus. Mit seinen Aufnahmen weckte der Hobbyfotograf sogar schon überregionales Interesse. Dass seine Fotos in einem Bildband mit dem Titel "Sahara - Himmel oben, Sand unten" Einzug fanden, nahm seinen Anfang bei einer Wüstenreise, auf der Kraus den Buchverleger Albert Gruber aus Südtirol kennen lernte. Dass er dann mit 40 Bildern überzeugen konnte, was "fast ein Viertel des Buches" ausmacht, lässt Kraus schon ein wenig stolz sein.
Mit den Augen eines Wüstenreisenden, der der Faszination dieser menschenfeindlichen Landschaft und der ursprünglichen Kultur der dort lebenden Tuareg erlegen ist, hat Kraus auf seinen Reisen durch Lybien, Tschad, Niger und Algerien wunderbare Bilder der Wüste und ihrer Bewohner eingefangen. Möglich machte den hautnahen Kontakt fernab von Touristenpfaden Abdelkadar Touhami - ein Frankfurter Reiseunternehmer, der mit Tuarag-Begleitmannschaften in diesen Ländern Expeditionen und Reisen organisiert und als Leiter selbst begleitet.
Als Ehrengast, gekleidet mit traditionellem Gewand und Turban, stand der "Wüstensohn", der als Tuareg-Nomade im Hoggar-Gebirge (Algerien) geboren wurde, Kraus beim Vortrag zur Seite. Ein Zeichen der freundschaftlichen Verbindung. Reisen sei "leben lernen" und "Menschen kennen lernen", sagt Touhami. Das dabei Respekt und Bewunderung für eines der letzten Kulturvölker und ihren Lebensraum gewachsen sind, machten Kraus Bilder und textliche Begleitung spürbar.
Mit ihren Diavorträgen wollen Kraus und Pfeuffer nicht nur Bilder zeigen, er soll "eine Geschichte erzählen", wie Pfeuffer sagt. Und das erfordert eine harte Bildauswahl. So wurden für den Sahara-Vortrag aus 4000 Bildern am Leuchtpult letztlich 447 Dias ausgewählt. Wobei es zwischen den beiden mitunter kräftig zur Sache geht, schmunzelt Pfeuffer: "Ich seh die Bilder nüchtern, Harald sieht seinen Urlaub."
Weil gute Fotos eine gute Präsentation brauchen, feilen Kraus und Pfeuffer mit großem Zeit- und Geldeinsatz an ihren Dia-Vorträgen. Ihren Ansprüchen an Perfektion gerecht wird dabei die so genannte Überblendtechnik, die mit computergesteuerten Dia-Projektoren arbeitet. Mit Hilfe einer speziellen Software erstellen sie am Computer den "Rohling" des Diavortrages: Wann welches Dia gezeigt wird, die Kopplung mit Musiksequenzen, die Überleitungen zwischen den Bildern - alles wird am Computer festgelegt, wozu alle Dias eingescannt werden müssen. Steht der Vortrags-Ablauf, werden die Daten auf CD gebrannt, die später die Vorführung steuert.
Eineinhalb Wochen investierten sie alleine in die Reinigung der verglasten Dias mit Handschuhen, Pinsel und Lupe, die dann in luftlichte Alu-Kisten wanderten. Darin sorgen Silikatkissen dafür, dass zwischen Glas und Diafilm kein Wasserdampf eindringt, der später das Sehvergnügen während des Diavortrags stören würde. "Das haben wir alles von Profis abgeschaut", sagt Pfeuffer. Dass sich mit dem Wälzen von Büchern, dem Schreiben des Textes, dem Abfotografieren von Karten und der Organisation die Vorbereitungen für einen Vortrag auf rund 200 Stunden summieren, glaubt man gerne.
Gerald Gerstner |