In die Wüste nur mit einheimischen Führer - Interview
Das Geiseldrama in der Sahara, bei dem 15 Europäer ein halbes Jahr von Rebellen festgehalten wurden, wirkt sich auch auf das Reiseverhalten des passionierten Sahara-Reisenden Harald Kraus aus Hergolshausen aus. Er besuchte selbst schon zahlreiche Male Südalgerien, Mali und Niger.
Frage: Welche Auswirkungen hat die aktuelle Situation in Algerien und Mali auf ihr Reiseverhalten?
Harald kraus: Meine Reisen in diese Region führe ich immer mit einem Führer vom Stamm der Tuareg durch, der für meine Sicherheit alles tut und für den reibungslosen Ablauf der Tour sorgt. Meine im Oktober geplante Algerienreise ist jedoch abgesagt worden, da von diesen Ländern keine Visa mehr ausgestellt werden. Das Auswärtige Amt in Deutschland warnt jetzt zudem noch vor Reisen in die Region. Auch alle von meinem Reiseorganisator Abdelkader Touhami geplanten Reisen für dieses Jahr sind storniert worden. Abdelkader Touhami ist ein Tuareg-Mann, der in Algerien und Mali ein hohes Ansehen unter den Einheimischen genießt und in dessen Obhut ich mich sicher fühle. Doch viel schlimmer sind die Auswirkungen für die Region. Reisen in diese Länder bringen vielen Menschen Arbeit, die jetzt wegfällt. Für die Menschen dort ist das verheerend.
Haben die Touristen Ihrer Meinung nach Fehler gemacht, die diese Geiselnahme zur Folge hatte?
Kraus: Ja. Sie reisten mit keinem einheimischen Führer. Die Wahrscheinlichkeit, dass mit einem in diesem Gebiet anerkannten Führer etwas passiert, ist sehr gering. Die Führer, wie zum Beispiel die Tuareg, sind Männer, die von der Bevölkerung akzeptiert werden, einen Arbeitgeber darstellen und großen Einfluss haben. Selbst Rebellen akzeptieren die Tuareg. Mit einem einheimischen Führer ist die Gefahr auf ein sehr geringes Maß reduziert.
Ist Ihnen schon mal ähnliches widerfahren oder sind Sie schon mal mit Rebellen in Berührung gekommen?
Kraus: Vor Jahren gab es einmal einen Zwischenfall im Niger. Bei der Durchquerung des Air-Gebirge tauchten Rebellen auf, die mit ihren Kalaschnikows in die Luft feuerten. Doch als die Rebellen merkten, dass unsere Gruppe mit Tuareg unterwegs war, sind sie wieder verschwunden. Sonst gab es auf meinen Reisen noch nie solcherlei Zwischenfälle.
Wie wird bei solchen Reisen für Ihre Sicherheit garantiert?
Kraus: Dadurch dass ich mit einem Tuareg reise, fühle ich mich sicherer. Außerdem werden Aufenthalts- und Lagerplätze möglichst so gewählt, dass sie schwer zugänglich sind und die Gruppe nur sehr schwer gesehen werden kann. Außerdem werden alle Reiseteilnehmer immer darauf hingewiesen, zusammen zu bleiben, auch ihr Nachtlager nicht irgendwo aufzuschlagen. Gebiete mit Rebellen oder anderen Gefahren werden ansonsten gemieden.
Ist es nach Ihrer Meinung gerechtfertigt, dass die Touristen jetzt sich am Lösegeld beteiligen müssen?
Kraus: Ich vermute mal, dass die Touristen von der Gefahr keine Ahnung hatten, da die Gegend auch von Seiten der Behörden als sicher eingestuft wurde. Deshalb halte ich nichts davon, das die Reisenden sich an der Zahlung beteiligen. In anderen Ländern gibt es oft Zwischenfälle mit Drogen, bei denen sich die Regierung für Urlauber einsetzen muss. Bei dieser Geschichte konnte das auch keiner im Voraus absehen. Nach meiner Meinung ist es ungerechtfertigt, die Urlauber jetzt abzukassieren, es sei denn sie verdienen durch Interviews und Talk-Shows große Geldsummen.
Fahren Sie in der nächsten Zeit wieder in die Sahara?
Kraus: Mein nächster Trip wäre ja im Oktober nach Südalgerien gegangen. Doch nachdem jetzt die Geiseln wieder frei sind, hoffe ich, dass im Januar wieder eine neue Reise geplant wird, an der auf jeden Fall teilnehmen werde. Im übrigen bin ich Mitglied der Fotografengruppe PhoTon und zeige im Rahmen dessen am 12. Oktober meinen Diavortrag "Sahara" im Schweinfurter Naturfreundehaus. Auf meinen Reisen habe ich viel Material ansammeln können, so dass ein Vortrag daraus entstanden ist. |